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Wahl in Katalonien: Separatisten-Mehrheit mit Wackel-Charakter

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Corona hätte die Wahl in Katalonien beinahe unmöglich gemacht – und wurde letztlich zum Verbündeten der Separatisten. Ihnen nutzte offenbar, dass die Vorsichtigen zu Hause blieben. Nun sind jene politischen Kräfte, die für die Loslösung Kataloniens von Spanien trommeln, stärker als je zuvor. Es ist genau das eingetreten, was die Zentral-Regierung in Madrid unbedingt verhindern wollte.

Bei manchem dürfte das die Angst vor einem neuen Anlauf zur Unabhängigkeit befeuern. Die Situation der Separatisten ist allerdings weniger komfortabel, als sie scheint. Denn das bisher regierende separatistische Minderheiten-Bündnis aus eher linker ERC und eher bürgerlicher Junts schleppte sich nur hinkend und zerstritten zur Wahl.

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Eine Neuauflage stünde auf mindestens ebenso wackeligen Füßen; umso mehr, weil diesmal die ERC der stärkere Partner wäre, die, zum Verdruss von Junts, einen kooperativen Kurs mit Madrid fährt. Auch die Unterstützung der radikalen CUP wäre wieder nötig. Die Alternative (ein Bündnis von ERC und Madrid-treuen Sozialisten) wäre spannend, ist aber so gut wie ausgeschlossen.

Neue Separatisten-Regierung auf wackligen Füßen

Es dürfte letztlich auf eine neue Separatisten-Regierung hinauslaufen, aber unter anderen, gemäßigteren Vorzeichen. Abenteuer wie die Beinahe-Unabhängigkeit 2017 dürften sich unter ERC-Mann Pere Aragonés nicht wiederholen. Die Frage ist nur, wie lange Junts und ihr Brüsseler Exilant Carles Puigdemont das mitmachen. Manche sehen schon Neuwahlen am Horizont.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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