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„NSU 2.0“-Drohmails: Nur ein Etappensieg

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Marc Beyer
  • vonMarc Beyer
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Das Aufatmen ist so laut, dass es weit über Hessens Landesgrenzen hinaus schallt. Der sehnsüchtig erwartete Fahndungserfolg im Fall der „NSU 2.0“-Drohmails bedeutet für die Behörden Erlösung und Entlastung. So klingt zumindest die Reaktion des Landesinnenministeriums. Ein bisschen arg vorschnell.

Bei aller Erleichterung ist die zentrale Frage noch offen. Woher stammen die persönlichen Daten, mit denen der (oder die) Täter die Drohungen versah? In Einzelfällen mag mal ein Anruf mit falscher Identität genügt haben, weil eine Behörde auf dem kurzen Dienstweg einem vermeintlichen Polizisten helfen wollte. Als Muster taugt die Erklärung aber nicht. Es geht ja nicht nur um Einwohnermeldeämter, sondern vor allem um die Polizei. Die Theorie, dort könne es auch mal lax zugehen, ist sehr gewagt. Zumal die sensiblen Daten auch dann noch flossen, als das Ausmaß der Bedrohung längst bekannt war.

Der Fahndungserfolg ist deshalb nur ein Etappensieg. Selbst der Bundesinnenminister fühlt sich noch lange nicht aufgeklärt. Gerade erst hat Horst Seehofer einen deutlichen Anstieg der politisch motivierten Straftaten vermelden müssen. Ein erschüttertes Vertrauen in die Polizei ist das Letzte, was das Land braucht.

Marc.Beyer@ovb.net

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