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Gesundheitswesen in Deutschland: Digitalisierung lange verschlafen

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  • vonSebastian Horsch
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Millionen sitzen im Homeoffice, Schüler lernen digital und selbst Schwangerschaftskurse finden von Bildschirm zu Bildschirm statt. Die Pandemie zwingt das Land in die Digitalisierung. Ein Antrieb, der besonders im Gesundheitswesen bitter nötig ist.

Es stimmt, auch hier gibt es schon Bewegung. Plötzlich boomt die Telemedizin. Deutlich mehr Praxen bieten Videosprechstunden an. Und auch immer mehr Patienten ziehen das Arztgespräch am Bildschirm dem Wartezimmer vor. Zudem schaffen digitale Lösungen die wichtige Übersicht über die Auslastung von Beatmungsbetten.

Doch gleichzeitig wird zwischen Kliniken und Praxen weiter munter hin und her gefaxt. Wenn die Testergebnisse mal wieder den elektronischen Weg vom Labor in die Corona-Warn-App nicht finden, müssen Hausärzte regelmäßig ihren Patienten hinterher telefonieren. Und vor einem Jahr standen die so wichtigen Gesundheitsämter nicht nur mit unzureichender Software vor der Pandemie, sondern sogar ohne einheitliche E-Mail-Adressen.

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Es ist kein Zufall, dass es im Gesundheitswesen so viele digitale Baustellen gibt. Die Krise zeigt, was dort jahrelang verschlafen und teils auch bewusst verhindert wurde. Totschlagargument: immer wieder auch Datenschutz. Doch gerade wer nicht will, dass wenig zimperliche Unternehmen aus China und den USA das Geschäft mit deutschen Gesundheitsdaten an sich reißen, muss Digitalisierung endlich selbst gestalten. Erst recht nach Corona.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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