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Debatte um Verbot von Neubau von Einfamilienhäusern: Grünes Eigentor

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  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Acht Monate vor der Bundestagswahl haben sich die bislang so hoffnungsvollen Grünen ein schönes Eigentor geschossen. Wie vor vier Jahren, als ihr der „Veggie-Day“ um die Ohren flog, steht der Ökopartei jetzt ein Häuserwahlkampf der anderen Art ins Haus.

Mit seinen skeptischen Äußerungen zum frei stehenden Einfamilienhaus dürfte Fraktionschef Toni Hofreiter, der einst in einem Haus mit Garten in Sauerlach aufwuchs, seiner Partei einen politischen Bärendienst erwiesen haben.

Da hilft es auch nicht, dass Hofreiter im „Spiegel“-Interview ziemlich differenziert argumentiert. Ihm geht es vor allem um mehr Rechte für Kommunen, bei der Ausweisung von Baugebieten konkrete Vorgaben zu machen. Ziel: Die Verödung der Ortskerne und die Zersiedelung der Ränder einzudämmen und vor allem in den teuren Großstädten auch noch Wohnraum für die vielen Menschen zu schaffen, die sich kein Millionen-Heim leisten können. Man muss seine Meinung nicht teilen, aber sie auf ein Verbot zu reduzieren, ist doch etwas plump.

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Nur: Auch die Idee des „Veggie-Day“ war natürlich wesentlich differenzierter als die Debatte, die sich um ihn entspann. Dass die Grünen daraus so wenig gelernt haben und nun den politischen Gegnern wieder eine Vorlage liefern, überrascht. Gerade im ländlichen Raum, wo die Partei der gut verdienenden Großstädter allmählich Fuß zu fassen beginnt, könnte ihr das Thema um die Ohren fliegen. Auch in den Metropolregionen leben viele potenzielle Grünen-Wähler, die in ihrem Garten aktiv Umweltschutz betreiben. Übrigens: In einem Monat wählt Baden-Württemberg – das Land der Häuslebauer.

Mike.Schier@ovb.net

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