Kommentar zu Corona-Tests für alle: "Nicht nur für Hypochonder"

Coronavirus - Ägypten
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Bayerns Corona-Tests sind ein heiß diskutiertes Thema. Tragen die geplanten Massentests nur scheinbar zu Klarheit bei? Schaffen sie vielleicht sogar ein falsches Sicherheitsgefühl? Nein, sagt unser Autor Christian Deutschländer. Denn im Kampf gegen das Virus braucht es einen guten Überblick. 

Christian Deutschländer

"Das Söder-Testkonzept für jeden Bayern klingt nach einem teuren Hypochonder-Service: Wer nix spürt, aber einen Corona-Test machen will – oder drei/fünf/zehn –, bekommt das jetzt vom Staat bezahlt. Das soll Strategie sein? Ja: Die Erklärung liegt im tückischen Ausbreitungsmuster. 

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Mit den ersten Webasto-Fällen im März lernten Experten, dass die Krankheit bereits ansteckend ist, wenn beim Erkrankten noch gar kein Symptom aufgetaucht ist. Mehr noch: dass bis zu 80 Prozent der Infizierten höchstens geringe Symptome spüren, aber trotzdem infektiös sind. Wer nur Fiebrige und ihre Mitbewohner testet, rennt den Infektionsketten also hoffnungslos hinterher.

"Zum Verhindern eines Lockdowns"

Bayerns Testoffensive wirkt übertrieben bei den aktuell sehr niedrigen Zahlen, falsch ist sie trotzdem nicht. Im Fall eines Aufflammens der Infektionen – was lokal in NRW, Niedersachsen und Berlin schon längst passiert – wird genau dieses Vorgehen zum bundesweiten Maßstab werden. Die Test-Option beruhigt Verunsicherte. 

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Und hat auch einen wirtschaftlichen Hintergrund als Mosaikstein zum Verhindern eines Lockdowns: Im Tourismus und in Teilen des gebeutelten Handels wird künftig öfter ein aktueller negativer Test verlangt werden. Bayerns 48-Stunden-Garantie und die Kostenübernahme setzen den Standard und verhindern wenigstens, dass ein Test am Geldbeutel scheitert."

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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