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Ende des Modellprojekts: Auch Tübingen ist keine Insel

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Marc Beyer
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Nicht überall, wo Modellregion draufsteht, steckt auch eine drin. Es gibt Städte und Landkreise, die Corona-Projekte vor allem deshalb gerne ausrufen würden, weil sie die Wirtschaft endlich wieder öffnen wollen. Tübingen, das bekannteste Modell, war in dieser Hinsicht unverdächtig.

Alle Maßnahmen waren lange vorbereitet, die Wissenschaft eingebunden, und es wurde klar gesagt, dass die Möglichkeit des Scheiterns immer dazugehört.

Nun ist es genau so gekommen. Das ist schon deshalb bedauerlich, weil die Zahlen keineswegs eindeutig sind. Im Stadtgebiet, und nur dort wurde geöffnet, war der Anstieg moderat. Er hinterlässt Spielraum für Interpretationen. Viele Tests decken mehr positive Fälle auf, die sonst womöglich unerkannt geblieben wären. Andererseits schufen offene Läden auch einen Anreiz für Kontakte.

Am Ende ist ein vielschichtiges Modell auf eindimensionale Weise gestoppt worden. Die Tübinger sind an Grenzen gestoßen, gegen die in Corona-Zeiten das klügste Projekt machtlos ist. Nicht ohne Grund sind es oft Inselstaaten, die gut durch die Pandemie kommen, weil das Virus sich leichter fernhalten lässt. In Tübingen begannen die Schwierigkeiten schon an der Schwelle zum Landkreis. Mitten im Corona-geplagten Deutschland ist niemand eine Insel. Nicht mal die Vorzeigemodellstadt Tübingen.

Marc.Beyer@ovb.net

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