Knüppel aus dem Sack?

Seehofer prüft Anzeige gegen „taz“. ALEXANDER WEBER.

Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: Die angeblich satirisch gemeinte „taz“-Kolumne über die Polizei ist ein unsägliches Pamphlet. Erstens, weil außer der Autorin niemand eine Spur von feiner Ironie entdecken kann. Und zweitens, weil die Zuordnung von Polizeibeamten zu Abfallhalden nicht nur alle journalistischen Wertmaßstäbe sprengt, sondern auch Artikel 1 unseres Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Man darf an der Polizei einiges kritisieren. Die Frage ist jedoch, wie man mit einem solchen kapitalen Missgriff umgeht. Innerhalb der linken „taz“-Redaktion wird ja bereits heftig disputiert, ob der Maßstab der Menschenwürde so beliebig verschoben werden darf, wenn nur das Feindbild stimmt. Die Leser können ihre Meinung dazu frei kundtun. Die unmittelbar Betroffenen, sprich die Polizeigewerkschaften, wollen sich gerichtlich gegen die Verunglimpfung wehren. Aber auch Bundesinnenminister Horst Seehofer erwägt, gegen die Autorin zu klagen. Der Bayer mag sich als oberster Dienstherr schützend vor die Polizeibeamten stellen. Das ist verständlich. Aber ob er als Regierungsmitglied in einem Rechtsstaat auch den juristischen Knüppel schwingen muss? Das sollte Seehofer lieber Ministern autokratischer Staatsführungen überlassen.

Alexander.Weber@ovb.net

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