Bis auf die Knochen blamiert

Die Politik und Wirecard. MARTIN PREM.

Deutsche Politiker sind nicht dafür berüchtigt, dass sie im Ausland auftreten wie Handelsvertreter der eigenen Wirtschaft. Repräsentanten Frankreichs zum Beispiel sind da aus einer ganz anderen Wolle gestrickt. Und US-Präsidenten schrecken selbst vor Erpressung nicht zurück, wenn es der eigenen Rüstungsindustrie und ihren Exportinteressen dient. Aber es stellt sich schon die Frage, wie es die deutsche Politik dann doch schafft, wenn sie einmal für ein Unternehmen wirbt, sich bis auf die Knochen zu blamieren – wie im Fall Wirecard.

Deutschland hat nur wenige IT-Unternehmen, die international etwas darstellen. Doch das behebt man nicht, indem man für die wenigen auf der Weltbühne Stimmung macht. Eine inzwischen hochaktive Gründerszene zeigt, dass es auch nicht am geeigneten Nachwuchs fehlt. Doch wenn die Gründer aus den Windeln raus sind, hilft man ihnen nicht beim Lernen, sondern lässt sie im Regen stehen. Mit unzureichenden Finanzierungsmöglichkeiten und mit deinem bürokratischen Aufwand, der jede Unternehmungslust hemmt. Hier könnte die Politik ansetzen, dann hätte sie der Welt bald sehr viel mehr zu bieten als Scharlatane, deren Kreativität sich auf den Umgang mit der eigenen Bilanz beschränkt.

Martin.Prem@ovb.net

Kommentare