Klimanotstand in München Versäumnisse der Vergangenheit

Klimanotstand in München. Versäumnisse der Vergangenheit .

MIKE SCHIER

Nun hat also auch der Münchner Stadtrat gestern Abend beschlossen, den Klimanotstand auszurufen – nachdem neulich bereits das EU-Parlament gleich ganz Europa zum Notstandsgebiet erklärt hatte. Notstand! Genau 75 Jahre, nachdem Bomben in den letzten Kriegsmonaten die Münchner Innenstadt schwer verwüsteten, wirkt diese Wortwahl seltsam unangebracht.

Und überhaupt: Wenn es in München einen Notstand gibt, dann ist es ein Verkehrsnotstand. Jeden Morgen und Abend erleben ihn hunderttausende Pendler aus ganz Oberbayern, die sich mit dem Fahrrad, Auto oder ÖPNV ins Getümmel stürzen. Zu verantworten hat diesen Notstand nicht nur, aber zu einem wesentlichen Teil eben auch der Münchner Stadtrat. Denn beim U-Bahnausbau ist im vergangenen Jahrzehnt fast nichts passiert – ein Erbe übrigens der rot-grünen (!) Rathaus-Koalition. Die schaffte es sogar, in Freiham am Reißbrett einen kompletten Stadtteil für mehr als 25 000 Menschen zu planen, allerdings ohne eine einzige U-Bahnstation.

Der heutige Stadtrat muss früheren Versäumnissen hinterherräumen – beim Verkehr und auch beim Wohnungsbau. Auch wenn es dauert, bis Beschlüsse Wirkung entfalten, lässt sich in beiden Bereichen viel fürs Klima tun. Darauf kommt’s an. Nicht auf Notstandsrhetorik.

Mike.Schier@ovb.net

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