Klimanotstand in Europa Übertriebene Rhetorik MIKE SCHIER

Klimanotstand in Europa. Übertriebene Rhetorik.

MIKE SCHIER

Heute werden in München und anderswo wieder tausende Menschen auf die Straße gehen. Ihr Anliegen: Der Staat, die Wirtschaft, jeder Einzelne sollte mehr für den Klimaschutz unternehmen. Angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der gefühlten Veränderungen in den vergangenen Jahren ist das ein berechtigtes Anliegen.

Das EU-Parlament, wohl noch durch die Harakiri-Kür der neuen EU-Kommissionspräsidentin derangiert, meint nun, sich an die Spitze der Bewegung setzen zu müssen. Nicht mit kluger Klimapolitik (für die sich bis vor Kurzem auch in Brüssel kaum einer interessierte), sondern mit Alarmismus: Für Europa wird der Notstand ausgerufen! So, als gebe es gerade eine akute Bedrohung für Leib und Leben. So, als sei es nur ein kleiner Schritt, um (Reise)-Freiheit, Grundrechte oder gar demokratische Prinzipien einzuschränken. Was für ein Unsinn! Wer sich so übertriebener Rhetorik bedient, darf sich nicht wundern, wenn auch mancher Kritiker übers Ziel hinausschießt.

Klimapolitik ist eine äußerst komplexe und sehr langwierige Angelegenheit. Emotionen sind da ein schlechter Ratgeber. Dem Ziel, das die meisten teilen, wäre mehr gedient, wenn man sich auf europäischer Ebene auf einheitliche Mindeststandards einigen könnte. Dazu eine Ausweitung des Emissionshandels, deutlich mehr Töpfe für den öffentlichen Nahverkehr und so weiter. Das gibt zwar nicht so große Schlagzeilen, wäre aber viel wirksamer.

Mike.Schier@ovb.net

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