Klasse Idee, falscher Ort

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Kunstaktion bei Kleber. STEFANIE THYSSEN.

Über das Anliegen an sich dürfte Einigkeit herrschen. Dass die „Helden der Corona-Krise“, die vielen Krankenschwestern und -pfleger, die Busfahrer, Supermarkt-Kassiererinnen und Müllmänner – man könnte die Liste fortsetzen – mediale Aufmerksamkeit verdienen, ist unstrittig. Sie haben sich in der Pandemiezeit gekümmert, aufgeopfert, den Alltag am Laufen gehalten, und das für ein Gehalt, das unter aller Kanone ist. Die Idee des Medienkünstlers Christian Jankowski, diesen Menschen eine Stimme zu verleihen, ist also aller Ehren wert. Allein – das „heute journal“ hätte sich nicht dafür hergeben sollen.

Eine Nachrichtensendung, zumal des öffentlich-rechtlichen ZDF, lebt von sachlichen Informationen. Natürlich haben auch Kommentare Platz in diesem Format, ähnlich wie hier in der Zeitung. Aber sie gehören (und werden in der Regel) gut gekennzeichnet. Das Problem im „heute journal“ am Freitagabend war, dass es diese Kennzeichnung nicht gab. Moderator Claus Kleber hätte die Aktion im Lauf der Sendung wenigstens auflösen müssen. Der Verweis auf „Aspekte“ reichte nicht aus. Dort, im Kulturmagazin, wäre die Performance übrigens wunderbar aufgehoben gewesen. In einer der wichtigsten Nachrichtensendungen hat sie – und sei ihr Anliegen noch so berechtigt – nichts zu suchen.

Stefanie.Thyssen@ovb.net

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