Klare Konzepte statt Klein-Klein

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Debatte über Reiseverbote. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Die Berlin-Kreuzberger Party-Szene hat aktuell Einreiseverbot in Orte wie Ludwigshafen oder Worms. Vermutlich werden das beide Seiten recht prima verkraften. Über die Logik dahinter sollte sich aber die Politik Gedanken machen. Das System der innerdeutschen Corona-Risikogebiete zerfasert in eine kuriose Kleinstaaterei, seit andere Länder jetzt einzelne Berliner Viertel mit Reise-Einschränkungen belegen. Hyperlokale Ansätze im Corona-Kampf funktionieren bei Schul-Maskenpflicht oder Ausschankverboten. Sie sind gut gemeint, gehen aber in diesem Fall an der Lebensrealität der Zielgruppe weit vorbei. Der richtige Ansatz, Infektionsketten aus riesigen Hotspots im Ausland – Stichwort Kosovo – zu unterbinden, lässt sich im Inland nicht straßengenau kopieren.

Im Kern entwickelt sich aktuell ein Großstadt-Problem mit Corona. Wo viele Menschen auf engem Raum leben, wo Großfamilien oft mit Migrationshintergrund Feste feiern, wo viele junge Leute sorg- bis rücksichtslos Party machen, steigen die Zahlen. Diese Konstellation erleben mehrere Städte. In Berlin kommt hinzu, dass die Stadtpolitik aus ideologischen Gründen und Verwaltungsversagen die geltenden Regeln kaum durchsetzt. Natürlich wollen die anderen Länder ihre Bürger in einer Pandemie vor solchen Zusatzrisiken schützen – ihr Recht, ihre Pflicht. Am besten klappt das aber mit praktikablen, klaren, einheitlichen Regeln auf Länderebene, koordiniert von den Ministerpräsidenten. Nie vergessen: Im Großteil der Republik funktionieren Corona-Regeln nur dann, wenn die Bürger sie kennen, verstehen und akzeptieren.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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