Kirche und Missbrauch Prävention ist nie fertig LUDWIG HUTTER

Kirche und Missbrauch. Prävention ist nie fertig .

LUDWIG HUTTER

Vor 75 Jahren ist das NS-Vernichtungslager in Auschwitz befreit worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die im Dezember das Lager zum ersten Mal in ihrer Amtszeit besuchte, sagte dort: „Einen Schlussstrich darf es niemals geben. Und auch kein Relativieren.“ Was dieser Satz mit dem Missbrauchsskandal der katholischen Kirche zu tun hat? Auch wenn die Dimension natürlich nicht zu vergleichen sind, kann man diese Worte auf die schrecklichen Vorfälle in bayerischen Klöstern, kirchlichen Heimen und Internaten übertragen. Was dort an traumatischen Erlebnissen, Demütigung und unendlichem Leid geschehen ist im Umgang zwischen Erwachsenen und Schutzbefohlenen, darf nie vergessen werden. Kein Schlussstrich unter verabscheuungswürdige Taten. Barnabas Bögle, der Abt des Ettaler Benediktinerklosters, wo es zwischen 1960 und 1980 über 30 Fälle sexueller Übergriffe und deren 88 von körperlicher Gewalt gab, hat es so formuliert: „Prävention ist nie fertig.“

Bei aller Schwere der Verfehlungen ist Ettal bei der Aufarbeitung der dunklen Vergangenheit einen Weg gegangen, der von Opfer-Vertretern öffentlich als vorbildlich dargestellt wird. Da geht es nicht in erster Linie um die hohe Entschädigungszahlung von 700 000 Euro, sondern vor allem darum, dass der Abt in Demut und Anerkennung der Schuld die Opfer persönlich um Verzeihung gebeten hat. Beispiele der Amtskirche verdeutlichen manchmal, um wie viel schwerer sie sich mit diesem Thema tut. Allen voran die Bischöfe. Wohl klingende Erklärungen, schöne Worte. Das ist zu wenig.

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