Kemmerich legt Amt nieder Der Problembär der FDP GEORG ANASTASIADIS

Kemmerich legt Amt nieder. Der Problembär der FDP .

GEORG ANASTASIADIS

Der Liberalismus ist eine anspruchsvolle, manchmal anstrengende Geisteshaltung: Er glaubt an den mündigen Bürger und tritt für möglichst wenig staatliche Eingriffe und ein Höchstmaß an Freiheit und Eigenverantwortung ein. Entsprechend groß ist das Verhetzungspotenzial, gerade in Deutschland, wo der Glaube an den allzuständigen Schutzstaat unerschütterlich ist und Etiketten wie „neoliberal“, „unsozial“ oder „rechts“ schnell zur Hand sind. Die FDP wandelt also auf schmalem Grat. Als Partei des organisierten Liberalismus darf sie sich keine Fehltritte leisten. Das gilt auch und ganz besonders in der Corona-Debatte, wo der Ruf nach mehr bürgerlicher Freiheit nur einen Katzensprung entfernt ist vom Verdacht, auf Kosten der Allgemeinheit seinen gesundheitsgefährdenden Egoismus ausleben zu wollen.

Als nicht ausreichend trittsicher ist nun – zum zweiten Mal – der Thüringer FDP-Chef Kemmerich auffällig geworden. Seine Teilnahme an einer Demo gegen die aktuelle Coronapolitik, ohne Mundschutz und in räumlicher Nähe zu mitprotestierenden AfD-Politikern und Verschwörungstheoretikern, war töricht. Man muss ihm nicht mal unlautere Motive unterstellen, um festzustellen, dass er seiner Partei damit einen Bärendienst erwiesen hat. Der FDP bläst der mediale Wind kalt ins Gesicht. Tapsige Problembären kann die Partei da nicht gebrauchen; nachgereichte Entschuldigungen auch nicht. Kemmerichs Rückzug aus dem Bundesvorstand war deshalb unvermeidlich.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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