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Corona-Demo in Leipzig: Protest als vorsätzliche Rücksichtslosigkeit

Christian Deutschländer
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Es sind bittere Botschaften aus zwei unterschiedlichen Welten: Erfahrene Ärzte rechnen hoch, dass in drei Wochen die deutschen Intensivbetten nicht mehr reichen. Und in Leipzig feiern sich am gleichen Tag zehntausende Corona-Demonstranten dafür, ohne Maske und Abstand alle Regeln zu brechen.

Der Kampf um jedes Leben hier und die gnadenlose Verantwortungslosigkeit da klaffen auseinander. Wer sich monatelang einschränkt und zurücknimmt, auf Kontakte und Vergnügen verzichtet, um seine Mitmenschen zu schützen, muss sich verhöhnt vorkommen von den nach Leipzig gekarrten Teilnehmern.

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Protest ist legitim, und bei Weitem nicht jede pauschale Maßnahme im Halb-Lockdown muss man gut finden, schon gar nicht den grenzenlosen Griff in die Steuerkassen. Widerworte, auch Demonstrationen, sind in Pandemie-Zeiten möglich, sogar wichtig – eine indifferente Verunglimpfung als „Corona-Leugner“ ist da unangebracht. Protest überschreitet aber jede Grenze, wenn er sich als vorsätzliche Rücksichtslosigkeit zelebriert.

Das ist nicht Freiheit, sondern ihre Perversion. Dazu kommt: Der Staat in Sachsen hat kapital versagt. Es war ein unfassbarer Fehler des Oberverwaltungsgerichts, die Kundgebungen in diesem Ausmaß in der Innenstadt zuzulassen. Und es ist Versagen der Polizei, nach massenhaften Verstößen, später nach Gewalttaten, eine derart kümmerliche Bilanz an Anzeigen vorzulegen. Auch das muss Konsequenzen haben.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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