Keine Lösung

Wehrpflicht: Contra. SEBASTIAN HORSCH.

Deutschland diskutiert mal wieder über die Rückkehr zur Wehrpflicht. Die Wehrbeauftragte Eva Högl will so rechtsextremen Tendenzen in der Truppe entgegenwirken. Wer nun die Stirn runzelt, ist nicht alleine.

Dass der Wunsch nach mehr Durchmischung bei der Bundeswehr ausreicht, um Hunderttausende wieder für Monate zum Grundwehrdienst heranzuziehen, ist zunächst einmal fraglich. Das Gesetz verlangt seit 2011 deutlich mehr. Unabhängig davon wirft Högls Idee auch noch die ganz praktische Frage auf, wie zwangsverpflichtete Laien eigentlich verhindern sollten, dass es in einer Spezialeinheit, mit der sie keinerlei Berührungspunkte haben, rechtsextreme Umtriebe gibt. Nachvollziehbarer wäre der Ansatz der SPD-Politikerin, wenn Högl ein rechtes Problem in der Bundeswehr insgesamt sieht. Hegt sie allerdings tatsächlich einen solchen Generalverdacht gegen Deutschlands Soldaten, sollte die Wehrbeauftragte das deutlich aussprechen.

Nein, die Wehrpflicht muss nicht zurückkehren. Fachleute sind sich weitgehend einig, dass sich die wichtigen Probleme der Bundeswehr auf diese Weise nicht lösen lassen. Anders sieht es im sozialen Bereich aus. Denn 2011 wurden auch die Zivildienstleistenden abgeschafft – und damit unzählige Helfer in Altenheimen, Krankenhäusern, Vereinen, bei Hilfsdiensten oder gemeinnützigen Einrichtungen. Wenn man schon darüber diskutieren will, junge Menschen wieder zu einer Pflichtzeit heranzuziehen, wäre das der sinnvollere Einsatz.

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Sebastian.Horsch@ovb.net

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