Kommentar

Griechenlands Grenzzaun: Keine Hilfe vom EU-Gipfelchen

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CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Diplomatie ist nicht Krawall und soll es auch nie werden. Aber es war schon schlaff, matt, unentschlossen, wie die versammelte EU am Freitag auf die türkischen Provokationen im Mittelmeer reagiert hat: Das Brüsseler Gipfelchen wackelte mahnend mit dem Zeigefinger.

Das reicht nicht, um Erdogan zu bremsen. Das reicht auch nicht, um die Sorgen in Griechenland zu dämpfen. Wieder mal fühlt man sich dort von der vermeintlichen Union allein gelassen. Dabei sollte längst ganz Europa klar sein, dass es im Kern nicht um bilaterale Hakeleien wegen Erdgas und Seerecht geht – sondern um die Migrationskrise.

Moralinsaure Belehrungen

Ankaras großes Faustpfand in jedem Konflikt mit Europa ist Erdogans Macht über die Flüchtlingszahlen. In beträchtlichem Ausmaß kann er, wie zuletzt im Februar, Migranten zur Grenze schicken. Mit seinem Besuch am langen Grenzfluss Evros versuchte der griechische Premier Mitsotakis am Wochenende, auf diese Gefahr aufmerksam zu machen. Seine Regierung baut derzeit mehrere massive Zäune gegen den illegalen Grenzübertritt. Schön ist das nicht – aber nötig. Was den Griechen jetzt ganz bestimmt nicht fehlt, sind moralinsaure Belehrungen, besonders gerne aus Deutschland, dass Zäune keine Probleme lösen und Europa keine Festung sein dürfe.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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