Kein Traumjob

Wer folgt auf Ulrich Wilhelm? RUDOLF OGIERMANN.

Intendant eines öffentlich-rechtlichen Senders wie des Bayerischen Rundfunks – das war einst ein toller Posten. Man war so etwas wie der von allen verehrte König einer Institution, die das Leben der Menschen begleitete, ihnen mit ihrem Programm die Tage und die Abende versüßte. Inzwischen ist ein Senderchef der Repräsentant eines von vielen ungeliebten, mit „Zwangsgebühren“ finanzierten Systems, das den Bürgern vermeintlich die Gehirne wäscht – und zu dem es Alternativen gibt, bei den Privaten und vor allem in den (Un-)Tiefen des Netzes.

Kein Traumjob also für den Nachfolger – oder die Nachfolgerin – des scheidenden Intendanten Ulrich Wilhelm. Zur „schlechten Presse“ käme das Damoklesschwert der von den Länderparlamenten versagten Beitragserhöhung ab 2021. Der oder die Neue müsste – in einem Apparat, dessen laufende Kosten naturgemäß steigen – weitere Sparmaßnahmen durchsetzen, zu Lasten der Programmqualität und zu Lasten der Mitarbeiter.

Ein echtes Dilemma, denn ein geringeres Angebot fürs zahlende Publikum führt dazu, dass die Frage, ob der Beitrag angemessen ist, noch lauter gestellt wird. So lange jede der neun ARD-Anstalten in dieser Situation nur um sich selbst kreist, radikale Reformen beim Verbund scheut und die Politik eifersüchtig darüber wacht, dass ja keiner der Kleinsender mit dem größeren Nachbarn fusioniert, dürfte es für die neue Leitung des BR schwer werden – egal ob Mann oder Frau.

Rudolf.Ogiermann@ovb.net

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