Kassen beklagen Defizit Drängender sind andere Probleme

Kassen beklagen Defizit. Drängender sind andere Probleme .

SEBASTIAN HORSCH

Die Krankenkassen beklagen erstmals seit Jahren wieder ein Defizit. Weil die finanzielle Lage insgesamt aber noch gut ist, drohen vorerst keine großen Beitragserhöhungen. Drängender sind derzeit andere Baustellen.

Schon nachdem die Kassen im Jahr 2015 zuletzt ein Defizit hatten, prognostizierten sie einen saftigen Beitragsanstieg. Es kam nicht so wild, weil die Konjunktur mehr Geld eingespült hat als damals angenommen. Und auch heute besteht noch wenig Grund zu akuter Sorge. Ein Defizit von einer Milliarde Euro ist noch ganz gut verkraftbar, wenn man über Rücklagen von 20 Milliarden Euro verfügt. Und weil es sich dabei um das Geld der Beitragszahler handelt, ist es auch richtig, es nicht zu horten, sondern den Großteil in deren Gesundheit zu investieren – also auch in die teuren Gesetze, die die Kassen beklagen. Allerdings wäre es angesichts der eingetrübten Wirtschaftsprognosen naiv anzunehmen, dass die Einnahmen einfach immer so weiter fließen. Klar ist: In einer alternden Gesellschaft mit teuren Gesundheitsleistungen werden die Beiträge mittelfristig wohl steigen. Die Politik muss diese Entwicklung im Auge behalten.

Schon heute besorgniserregend ist allerdings, dass die großen Probleme im Gesundheitswesen offenbar selbst in Zeiten voller Kassen schwer zu lösen sind. Denn die Personalengpässe in deutschen Kliniken werden immer schlimmer. Und ob das teure Pflegepersonal-Stärkungsgesetz von Gesundheitsminister Jens Spahn das tatsächlich ändern kann, ist noch völlig offen.

Sebastian.Horsch@ovb.net

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