Karfreitag 2020 Christliche Grenz-Erfahrungen CLAUDIA MÖLLERS

Karfreitag 2020. Christliche Grenz-Erfahrungen.

CLAUDIA MÖLLERS

„Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“, sind dem Neuen Testament zufolge die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz. Worte, die heute überall auf der Welt ebenso fallen könnten. Ausgerufen von Menschen, die einsam auf Isolierstationen im Krankenhaus liegen. Die nicht einmal im Sterben von ihren Liebsten begleitet werden dürfen. Wie grausam ist diese schreckliche Corona-Seuche, die vor keiner Grenze Halt macht. Nicht vor der Grenze zwischen Staaten oder Kontinenten. Nicht vor der Grenze der Unmenschlichkeit. Die Fastenzeit und die Karwoche 2020 werden als eine Zeit der Trauer und des Entsetzens in Erinnerung bleiben, in der den Menschen ihre Grenzen aufgezeigt wurden.

Man wird sich an das Bild des einsamen Papstes auf dem Petersplatz in Rom erinnern, als er im strömenden Regen seinen Segen in die Welt sandte. So wie er, der doch gerade die Nähe sucht, sind die Menschen abgeschnitten: Nicht nur von ihrer Gemeinde, sondern sogar von ihren Kindern und Enkelkindern. Auch wenn die Abkehr von Glauben und Religion in den letzten Jahren erschöpfend diskutiert wurde – in diesen Zeiten wird viel gebetet. Not lehrt beten, könnte man simpel sagen. Doch es ist sehr viel mehr: Selbst im digitalen Zeitalter ist die Hoffnung auf Wunder nicht ausgerottet. Ist der Glauben daran erhalten, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als man ausrechnen kann.

Jeden Tag ereignen sich bereits Wunder: Wenn Menschen trotz aller Grenzen und Gefahren sich um ihre Mitmenschen kümmern, sie medizinisch betreuen und pflegen, sie versorgen, sich um sie kümmern und ihnen zeigen, dass sie nicht verlassen sind. Diese Grenzerfahrungen bleiben unvergessen. Sie wirken über Corona hinaus.

Claudia.Moellers@ovb.net

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