Kardinal Marx gibt Vorsitz ab Es reicht mit dem Intrigantenstadl

Kardinal Marx gibt Vorsitz ab. Es reicht mit dem Intrigantenstadl .

CLAUDIA MÖLLERS

Sechs Jahre lang hat Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz vermittelt, gepoltert, moderiert, Intrigen von lieben Amtsbrüdern ertragen und sich trotz aller Ärgernisse mit Leidenschaft dafür eingesetzt, dass die Kirche wieder um das Vertrauen der Menschen werben soll. Vertrauen, das viele Menschen verloren haben, weil Bischöfe in der Vergangenheit Verbrechen an Kindern vertuscht oder gar begangen haben. Hunderttausende Katholiken haben seitdem die Kirche verlassen.

Marx musste als Chef der Bischofskonferenz nicht nur die Kirche in der Krise nach außen vertreten, sondern auch um ein Mindestmaß an Einheit unter den Bischöfen ringen. Obwohl eine unabhängige Studie zum Missbrauch 2018 ans Licht brachte, dass der Zölibat und eine überkommene Sexualmoral die Straftaten begünstigt haben könnten, wehren sich seine Gegner gegen Reformen. „Alles hat seine Zeit“, resümiert Marx jetzt nüchtern. Er will sich mit seinen 66 Jahren das Theater mit den Amtsbrüdern nicht mehr antun. Marx hat genug zu tun mit den aufreibenden Aufgaben im Vatikan, wo es auch heftigen Widerstand gegen jegliche Reformen gibt. Als Münchner Erzbischof kann er ohne das Amt des moderierenden Vorsitzenden noch mutiger für Veränderungen eintreten. Und sie in seinem Bistum sogar einfach anordnen. Seine Stimme behält Gewicht.

Claudia.Moellers@ovb.net

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