Frankfurter Buchmesse: Kapitulieren kann jeder

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DIERK WOLTERS

Es ist leicht, auf die Buchmesse-Verantwortlichen einzudreschen: Hätten sie mal gar nicht erst versucht, sie stattfinden zu lassen.

Hätten sie lieber nicht auf digitale Strategien gesetzt, das ist doch kein Ersatz. Und was die Ausweitung des Lesefests mit „Open Books“ und „Bookfest“ anbelangt: Hätten die Macher den Kopf eingezogen, stünden sie jetzt nicht vor dem Risiko, dass auch die Veranstaltungsreihen im Messe-Umfeld steigenden Corona-Zahlen zum Opfer fallen! Aber mal ehrlich – wollen wir das?

Miesepetrige Organisatoren, die umfallen, sobald der Wind sich dreht, statt mutig neue Strategien zu entwickeln? Wer sich vorher schon wegduckt, kann nachher bestimmt nicht sagen: Wir haben das Beste versucht. Dass sie sich nicht in den Corona-Schmollwinkel zurückziehen, muss man den Buchmesse-Machern hoch anrechnen. Findig und voller Energie haben sie an einem Programm getüftelt, das vom Buchmesse-Gefühl rettet, was zu retten ist. Der Pessimist sagt: „Lesungen online? Und die Eröffnung auch? Das ersetzt doch nicht das Live-Gefühl.“ Der Optimist entgegnet: „Die Sehnsucht nach dem Echten, dem Gedränge in den Hallen, dem Buch in der Hand, dem unverhofften Gespräch, wird gerade deswegen steigen. „Es lebe die Buchmesse“ wird es 2021 mit neuem Schwung wieder heißen – gerade weil Messe-Freunde die Phantomschmerzen 2020 heftig spüren werden.

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