Kanzlerkandidatur Söder treibt Laschet vor sich her

Kanzlerkandidatur. Söder treibt Laschet vor sich her .

GEORG ANASTASIADIS

Markus Söder ist ein selbstbewusster und fantasiebegabter Politiker. Das war er schon immer. Etwa, als er vor 30 Jahren als CSU-Jungspund eine Initiative zur Rettung des Sandmännchens startete. Aber dass ihn einmal 94 Prozent seiner Bürger lieben würden, das dürfte selbst seine Vorstellungskraft überstiegen haben. Populärer als Bayerns zupackender Landesvater ist heute nur noch die Kanzlerin. Deren Amtszeit aber neigt sich dem Ende zu, und Armin Laschet, den viele in der CDU für den designierten Nachfolger hielten, agiert, getrieben von Söder, in der Corona-Politik zunehmend nervös – eindrucksvoll zu besichtigen zuletzt bei „Anne Will“. Kein Wunder also, dass sich im Kanzlerrennen die Blicke erwartungsvoll auf Söder richten. Als protestantischer Beutebayer zieht der Franke nördlich des Weißwurstäquators viel weniger Ablehnung auf sich, als es einst die Paradebayern Strauß und Stoiber taten.

Es läuft für den 53-Jährigen: Mit der aussichtsreichen Ministerpräsidentenkandidatin aus Baden-Württemberg, Susanne Eisenmann, hat sich jetzt erstmals eine CDU-Grandin öffentlich für ihn ausgesprochen. Mit ihr laufen Teile des bisherigen Merz-Lagers zu Söder über. Eisenmann hofft, bei der Landtagswahl im März vom Söder-Bonus profitieren zu können. Kommen weitere CDU-Kreis-chefs, die in der Regel auch Bundestagsabgeordnete sind, ebenfalls zu dem Schluss, dass ihre Mandate mit einem Spitzenkandidaten Söder leichter zu gewinnen sind, wird es eng für Laschet. Zumal auch die Kanzlerin nicht mehr ihre schützende Hand über den Mann hält, der ihr einst am eifrigsten applaudierte. Merkel verübelt Laschet dessen Corona-Lockerungskurs, hat aber auch machtpolitische Gründe: Je schwächer Laschets Position in der CDU und je unsicherer seine Kanzlerambition, desto stärker bleibt Merkel in den verbleibenden 18 Monaten ihrer Amtszeit.

Noch lässt Söder öffentlich kein Interesse an der Kandidatur erkennen. Doch wer Söder kennt, weiß um seinen Ehrgeiz – und um seine Nerven, die Drahtseilen ähneln. Die bekam schon sein Vorgänger Horst Seehofer brutal zu spüren. Und der war aus härterem Holz geschnitzt als Laschet.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

Kommentare