Wie die Kanzlerin AKK austrickst Merkels Berliner Frühstück

Wie die Kanzlerin AKK austrickst. Merkels Berliner Frühstück .

GEORG ANASTASIADIS

Wer in Berlin auf ein schnelles GroKo-Ende wettet – oder heimlich darauf hinarbeitet –, hat die Rechnung ohne die Kanzlerin gemacht. Noch bevor die überrumpelten Chefs von CDU und CSU auch nur Hallo sagen konnten zum neuen SPD-Führungsduo, hat Angela-ich-bin-dabei-Merkel die Neuen schon zum Berliner Frühstück empfangen. Plätzchenrezepte dürfte das Trio eher nicht ausgetauscht haben.

Merkel will, koste es, was es wolle, ihre Amtszeit bis zum regulären Ende im Herbst 2021 ausschöpfen. Ihre Bereitschaft, die wankende SPD bis dahin mit inhaltlichen Zugeständnissen bei Laune zu halten, ist groß. Warum auch nicht: Den Preis für ihre Nachgiebigkeit zahlen die Unionswähler. Und deren Zorn bekommt bei der nächsten Wahl nicht Merkel ab. Sondern ihre Nachfolgerin als CDU-Vorsitzende, Annegret Kramp-Karrenbauer. Und, in geringerem Maße, deren CSU-Kollege Markus Söder.

Die übertölpelten C-Parteichefs treffen Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans erst am 19. Dezember – nachdem, man ahnt es, die Kanzlerin die Sache bereits in ihrem Sinne geregelt hat. Besonders Kramp-Karrenbauer hat zuletzt viel unternommen, um die SPD unter Druck zu setzen. Je weniger ihre Union den Genossen entgegenkommt, desto früher platzt die abgewrackte GroKo – und desto höher sind ihre Chancen, auf dem Umweg über eine Minderheitsregierung selbst Kanzlerin zu werden. Merkel hat diesen Plan ihrer einstigen Freundin, die längst zur erbitterten Rivalin geworden ist, durchschaut – und vielleicht auch schon durchkreuzt. Mit Frühstücken kennt Merkel sich aus; das gestrige in Berlin war ein weiteres Lehrstück in Machtpolitik. Nur mit entschiedenem Handeln könnte AKK jetzt noch verhindern, zum letzten Opfer der schwarzen Königin zu werden.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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