Kandidat in der Dauer-Defensive

Laschet in Griechenland. FRANK HEIDENREICH.

Politik ist nicht immer gerecht. Eigentlich ist NRW – legt man nur die Corona-Infektionszahlen zugrunde – bislang vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen. Und dennoch hat sich für Armin Laschet die Ausgangslage im Rennen um den CDU-Parteivorsitz und eine mögliche Kanzlerkandidatur grundlegend verschlechtert, seit Laschets Beliebtheitswerte in dem Maße sanken, wie die von Markus Söder explodierten. Seit es Zweifel an Laschets Eignung für höhere Ämter und am Fortbestand des Bewerbungs-Tandems mit Gesundheitsminister Jens Spahn gibt. Seit sich Söder für die Kanzlerkandidatur interessiert – und jedem Dementi eine Aussage hinterherschiebt, die Raum für Spekulationen lässt.

Der NRW-Ministerpräsident ist in der Dauer-Defensive – sogar im innerparteilichen Duell mit dem kaum in Erscheinung tretenden (und so auch keine Fehler machenden) Friedrich Merz. Ja, Laschets Griechenland-Reise greift mit der Flüchtlingsfrage ein enorm drängendes Thema der Gegenwart auf. Sie trifft einen zentralen Nerv in der politischen Diskussion auch in der Union. Sie ist Laschets dezenter und berechtigter Hinweis, dass es im Rennen um den CDU-Vorsitz und die Kanzlerkandidatur auf deutlich mehr ankommt als auf den Umgang mit der Pandemie. Doch an ihm klebt, allen Zahlen zum Trotz, das Image des fahrigen, unsouveränen Corona-Krisenmanagers. Diesen Ballast muss er bis zum Parteitag über Bord werfen. Sonst helfen ihm auch staatsmännische Auftritte nicht weiter.

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