Der CSU-Parteitag und die K-Frage: Kampfansage aus München

Georg Anastasiadis
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Georg Anastasiadis

Sprach da am Samstag auf dem virtuellen CSU-Parteitag noch der Vorsitzende der bayerischen Christlich-Sozialen Union? Oder schon der deutsche Kanzlerkandidat?

So überaus präsidial in Ton und Inhalt präsentierte sich Markus Söder seinen Delegierten, dass die ihren Chef kaum wiedererkannt hätten, wäre da nicht der allzu effekthascherische Gag mit der Tasse gewesen. Deren Aufschrift verwandelte sich, während Söder sich vor der Kamera den Tee eingoss, von „Winter is coming“ in „Winter is here“ – eine etwas theatralische Warnung vor dem nahenden Corona-Winter.

Es gibt ihn also noch, den alten Söder, auch wenn der neue die Wähler – vor allem die liberal eingestellten jenseits der bayerischen Landesgrenze und die grün angehauchten Städter – mit dezidiert progressiven Botschaften zu bezirzen suchte: 2035 will Söder nach dem Vorbild Kaliforniens den Verbrennermotor verbieten, den Klimawandel nennt er „eines der größten Probleme unserer Geschichte“.

Kampflos wird Markus Söder seinen CDU-Kontrahenten die Kanzlerkandidatur nicht überlassen: Das ist die wohl wichtigste Botschaft von einem CSU-Parteitag, der in die 75-jährige Geschichte der Strauß-Stoiber-Partei vor allem wegen seiner Emotionslosigkeit eingehen dürfte. Doch keine Sorge: Temperamentvoller dürfte es in der Union wieder ab dem Frühjahr 2021 zugehen. Dann, wenn der neue CDU-Vorsitzende gekürt ist. Extra weit ins neue Frühjahr hat die CSU die Kür des gemeinsamen Kanzlerkandidaten gelegt, um dem frischgebackenen CDU-Chef nach dessen Wahl Anfang Dezember großzügig Gelegenheit zu geben, erste Fehler zu begehen. Erst dann wird sich zeigen, ob der neue Staatsmann und Umfragekönig aus München stark genug ist, um Merkels Erben in der CDU die Kanzler-Anwartschaft zu entreißen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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