Kampf gegen Corona-Virus Machen statt mahnen CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Kampf gegen Corona-Virus. Machen statt mahnen .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Man soll sich ja nicht mehr ins Gesicht fassen, möchte sich aber doch ab und zu an die Stirn tippen. In einer seltsamen Kombination aus Panik und Unbedarftheit reagieren Teile von Land und Politik auf die Virus-Krise: die einen hamstern Berge von Klopapier als Überlebensration, die anderen strömen sorglos mit 75 000 ins Stadion. Man muss nicht immer gleich nach dem Staat rufen. In diesem Fall ist es aber Aufgabe der Politik, mit klaren Vorgaben und – weil es um den Schutz der Alten und Schwächsten geht – auch mit Verboten einzugreifen.

Das geschah nicht schnell und konsequent genug. Beispiel Schule: Natürlich ist es eine Farce, Italien-Heimkehrer eine Woche lang in den Unterricht zu setzen und erst jetzt, hoppla, doch heimzuschicken. Die Lageeinschätzung war falsch. Politik ist nicht allwissend. Aber wenn sie erhebliche Risiken erkennt, muss sie sofort reagieren. Womöglich hält sich ein Virus gar nicht an Bürozeiten und Dienstwege. Schulen erst zu schließen, wenn nach ein paar Tagen Inkubationszeit, Arztgang, Probe und Ergebnis ein Infektionsfall aktenkundig ist, genügt nicht.

Eine politische Ebene mahnt derzeit salbungsvoll, was die andere tun soll. Wer jetzt anpackt und mit klarem Kurs entscheidet, wird Gemaule ernten, aber kann Ängste eindämmen. Der Vorwurf in ein paar Monaten wird sicher nicht lauten, ein Starkbierfest und ein Fußballspiel zu viel untersagt zu haben. Bayern will heute bei Großveranstaltungen offenbar auf diese Linie einschwenken – gut so. Corona-Schutz muss Chefsache werden, wenigstens in Bayern. Das ist Verantwortung, das ist Führung. Ministerpräsidenten haben sich hierzulande schon um Geringeres gekümmert als um das Eindämmen einer Epidemie.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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