Kampf gegen Corona Schlechte Zeiten für Populisten

Kampf gegen Corona . Schlechte Zeiten für Populisten .

MIKE SCHIER

Eine Zeit lang galt Donald Trump als Trendsetter: Wer das „Establishment“ verurteilte, gängige Meinungen und wissenschaftliche Forschung als „Mainstream“ verächtlich machte oder sonst irgendwie gegen den Strom schwamm – der konnte große Erfolge feiern. In Trumps Windschatten wurden Jair Bolsonaro Präsident in Brasilien, Matteo Salvini zum Star in Italien und Boris Johnson Premier in Großbritannien. Jetzt, in der globalen Corona-Krise, scheint dieser Politikertyp entzaubert zu werden.

Auch im Kampf gegen Corona meinten es die Herren anfangs besser zu wissen als Virologen oder Länder mit Erfahrung. Die Schulen zu schließen, würde mehr Schaden als Nutzen bringen, argumentierte beispielsweise Johnson. Großveranstaltungen liefen weiter, die Pubs blieben offen. Inzwischen hat Johnson eine bemerkenswerte 180-Grad-Wende hingelegt. Gestern wurden in London sogar Teile des U-Bahn-Verkehrs eingestellt. Heute aber haben praktisch alle, die an der Spitze eines Staates Verantwortung tragen, ihre Strategie angepasst.

Klar: Im Vergleich zu Bolsonaro, der das Virus als „Fantasie“ abtat, und Trump, der sich in virologischen Fragen anfangs noch als „Naturtalent“ pries, ist Johnson geradezu harmlos. Zumal zur Wahrheit gehört, dass in dieser Krise alle Staatenlenker quasi täglich dazulernen und Maßnahmen anpassen. Dennoch zeigt sich dieser Tage einmal mehr, dass die Bayern und Deutschen trotz all des politischen Alltagsstreits, der sonst die Schlagzeilen füllt, in echten Krisen bei ihren Regierungen gut aufgehoben sind. In schweren Zeiten ist das beruhigend.

Mike.Schier@ovb.net

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