Kalter Krieg der Wissenschaft

Der russische Corona-Impfstoff. KLAUS RIMPEL.

Normalerweise dauert es 15 Jahre, bis ein neuer Impfstoff zugelassen wird. Aber was ist schon noch normal: In unserer Corona-Zeit wird weltweit mit derartigem Hochdruck geforscht, dass selbst vorsichtigere Prognosen davon ausgehen, dass schon nächstes Jahr die erlösende Impfung gegen Covid-19 da sein könnte.

Wer am Ende am schnellsten einen funktionierenden Impfstoff produzieren kann, wird nicht nur ein gigantisches Geschäft machen, sondern auch einen geopolitischen Vorteil erringen. Deshalb setzen die USA, Russland und China ihren neuen kalten Krieg auch bei der Impfstoff-Entwicklung fort. Statt gemeinsam alle Kräfte zu bündeln, arbeiten die Labore der Supermächte gegeneinander – bis hin zu den jüngsten Hacking-Attacken Russlands gegen britische, kanadische und US-amerikanische Pharma-Institute. Wenn Moskau nun verkündet, schon im Herbst mit Impfungen gegen Corona zu beginnen, ist das nicht mehr als ein Propaganda-Coup. Faktisch ist der russische Impfstoff nicht weiter als einige der westlichen oder chinesischen Konkurrenzprodukte. Nur, dass Russland die dritte Testphase zu überspringen scheint und alle Ärzte und Lehrer impfen will.

Ein derartig riskanter Menschenversuch wäre in unserer Demokratie nicht möglich. Ohnehin muss hier Sorgfalt vor Schnelligkeit gehen: Sollte ein Impfstoff – egal, ob russisch oder deutsch – schwere Nebenwirkungen zeigen, wird das die Impfbereitschaft weltweit beeinträchtigen.

Klaus.Rimpel@ovb.net

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