Kalbitz und der Mut zur Wahrheit

Die AfD muss sich entscheiden. MARCUS MÄCKLER.

Hören Sie es auch ticken? Brandenburgs AfD-Fraktion stellt sich fast geschlossen hinter Andreas Kalbitz, dessen völkischer Kumpel Björn Höcke spricht von „Verrat“, der Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner fordert einen Sonderparteitag. Kurz: In der AfD kommt Kalbitz’ Rauswurf einem Sprengsatz gleich. Dass er hochgeht – ticktackticktack – ist nur mehr eine Frage der Zeit.

Die AfD steht seit ihrem Bestehen vor der Zerreißprobe, der Weg führte stets weiter nach rechts. Im Unterschied zu früheren Zuspitzungen ist Parteichef Jörg Meuthen aber nicht so einfach kaltzustellen wie seine Vorgänger Lucke oder Petry. Im Gegenteil: Er hat das Duell mit den Rechtsextremen in der AfD zum zweiten Mal binnen weniger Wochen forciert: erst mit dem Vorschlag der friedlichen Trennung vom „Flügel“, dann mit der Attacke gegen Kalbitz. Dass er nun formal argumentiert und nicht mit Kalbitz’ rechtsextremer Gesinnung, ist aufschlussreich. Meuthen versucht wohl, dem Verfassungsschutz Argumente zu nehmen, ohne einen Teil der Klientel wieder an die NPD zu verlieren. Der Spagat wird scheitern.

Die Partei muss sich entscheiden: Will sie den Anschluss ans bürgerliche Lager suchen, darf Kalbitz’ Rauswurf nur der Anfang sein. Der Preis ist die Spaltung. Entscheidet sie sich dagegen, ist sie ein Fall für den Verfassungsschutz. Wer ständig behauptet, Mut zur Wahrheit zu haben, muss sich auch der eigenen Realität stellen.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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