Die Käufer können umsteuern

Saustall Schlachthof. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Die Corona-Aufregung um die Schlachthöfe trieft vor Zynismus. Quälende Tiertransporte zu Massenschlachtungen? Lässt uns kalt. Ausbeuterische Subunternehmer-Verträge für osteuropäische Schlachter? Lässt uns kalt, Hauptsache, kein Politiker verteuert unser Schnitzel. Es braucht nun die Massen-Infektionen, die eher mit den Wohn- als mit den Arbeitsumständen zu tun haben, um die Aufmerksamkeit auf eine Branche zu legen, in der die Bedingungen für Tier und Mensch oft widerwärtig sind.

Es wird Zeit, aufzuräumen. Einen Teil packt die Politik an: Die Praxis, mit Werkverträgen und Subunternehmern den deutschen Arbeitsschutz zu umgehen, wird ab 2021 eingeschränkt. Es wird weiterhin Arbeitsmigration dafür brauchen, aber zu menschenwürdigen Bedingungen – ein Musterfall, wo eine Marktwirtschaft zwingend soziale Leitplanken benötigt. Man darf fragen, warum gerade die SPD in der Bundesregierung als Hüter der Arbeitnehmerrechte über Jahrzehnte wegsah – und in welchen anderen Branchen das noch genauso weiterläuft.

Ein Teil der Verantwortung liegt aber eben bei den Konsumenten. Nicht radikaler Fleischverzicht, aber ein bewusster Einkauf ist die Lösung. Teurere Produkte und vor allem Fleisch aus der Region helfen auch dabei, das Oligopol der Schlachtfabriken im Nordwesten zu brechen. Jeder Einkauf beim mittelständischen Metzger stärkt regionale Lieferketten. Das kann sich nicht jede Familie, jeder Rentner leisten. Aber wenn wenigstens diejenigen umdenken, die bisher aus Bequemlichkeit zum Billigstfleisch greifen, bewirkt das in der Branche schon viel.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

Kommentare