Jetzt auch noch ein Royal-Skandal Die Briten suchen ihren Kompass

Jetzt auch noch ein Royal-Skandal. Die Briten suchen ihren Kompass .

MIKE SCHIER

Zumindest für die britische Regenbogenpresse ist der Skandal um Prinz Andrew ein Fest. Doch die Krise des Königshauses, die weit über schlüpfrige Verfehlungen hinausreicht, passt ins Bild eines zerrissenen Königreichs, das seit drei Jahren durch den Brexitstreit gelähmt wird. Nicht nur in Schottland wachsen die Fliehkräfte.

Bei allen politischen Debatten war das Königshaus stets eine der wenigen Konstanten, auf die sich die allermeisten Briten einigen konnten. Doch in diesem Jahr muss die alternde Queen mit immer neuen Demütigungen kämpfen. Nicht nur familiär, sondern auch politisch. Die Tradition verpflichtete sie, dem teils skrupellosen Treiben eines Boris Johnson teilnahmslos zuzusehen – und im Oktober sogar seine Regierungserklärung vorzutragen. Wer gehofft hatte, die Queen würde angesichts der historischen Dimension dieses eine Mal ihre Rolle verlassen und dem Land den Weg weisen, wurde enttäuscht.

So bleiben die Briten führungslos in einem Wahlkampf der Extreme. Hier Johnson, nur den Brexit als Programm. Dort der hemmungslose Sozialist Jeremy Corbyn, der allerlei verspricht, aber zum Brexit keine Meinung hat. Irgendwie ist London der Kompass abhanden gekommen.

Mike.Schier@ovb.net

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