CDU-Vorsitz: Jens Spahn sitzt auf dem falschen Tandem

GEORG ANASTASIADIS
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GEORG ANASTASIADIS

Eine Zeitmaschine müsste man haben. Dann würden sich einige CDU-Granden auf große Reise begeben.

(Noch-)Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer zöge es zurück in den Februar dieses Jahres – genauer: in die Stunden vor dem 10. Februar, als sie den größten Fehler ihres politischen Lebens beging und entnervt den Rücktritt vom CDU-Chefposten verkündete. Und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn? Der würde die Uhr liebend gerne zurückdrehen bis zu dem unglückseligen Moment ebenfalls im Februar, als er sich von seinem NRW-Parteifreund Armin Laschet dazu breitschlagen ließ, im Bewerber-Tandem für den Parteivorsitz nur den Rücksitz einzunehmen.

Direkt danach kam das Virus nach Deutschland, verstummte die Kritik an AKK, begann Spahns Aufstieg zum zweitbeliebtesten CDU-Politiker hinter der Kanzlerin, hob das große Murren über die Kanzlerkandidaten Laschet und Merz an. Heute weiß Spahn: Er sitzt auf dem falschen Tandem. Nur wie wieder absteigen, ohne sich den politisch gefährlichen Vorwurf grober Illoyalität einzuhandeln? Der jetzt (erneut) gestartete Vorstoß einiger Abgeordneter, Spahn anstelle Laschets zur Kandidatur für den Parteivorsitz zu bewegen, ist genau der Versuch, die Uhr zurückzudrehen: Eroberte der junge Spahn den CDU-Chefsessel, wäre für den älteren CSU-Chef Söder der Weg zur Kanzlerkandidatur frei. Den Bayern-Regenten müsste man nicht zweimal bitten, in Merkels große Fußstapfen zu treten.

Noch sind es nur vereinzelte Rufe nach Spahn, die da zur Freude des ehrgeizigen Ministers (und der Münchner Staatskanzlei) ertönen. Doch das kann sich ändern. Bis zum CDU-Parteitag am 4. Dezember ist es noch eine lange Zeitreise. Die Kanzlerin jedenfalls würde einem Tandem Söder/Spahn bestimmt keine Steine in den Weg legen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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