Meinung

Kür des Kanzlerkandidaten bei der CDU/CSU: Je später desto Söder

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  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Es ist eine ungewöhnliche Zeitrechnung, die Markus Söder da plötzlich aufmacht: Über die Kür des Kanzlerkandidaten solle die Union erst nach dem Abklingen von Corona entscheiden, also im Frühjahr.

Der CSU-Chef gehört sonst nicht zu jenen, die die Pandemie auf absehbare Zeit als beendet ansehen – weshalb seine Argumentation ziemlich vorgeschoben anmutet. Tatsächlich dürfte es ihm um taktische Fragen gehen.

Natürlich spricht vieles dafür, mit der Kür noch etwas zu warten. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hegt nicht zu Unrecht die Befürchtung, dass jeder Kandidat neben der noch immer übermächtigen Angela Merkel recht klein daher käme. Söder tippt zudem an, was viele in der Union fürchten: Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg (gegen Winfried Kretschmann) und Rheinland-Pfalz (gegen Malu Dreyer) könnte sich die CDU im März eine blutige Nase holen – unweigerlich würde der Kanzlerkandidat in Mitleidenschaft gezogen, selbst wenn er mit dem Wahlausgang wenig zu tun hat.

Der Politfuchs Söder dürfte aber etwas anderes im Blick haben. Er weiß genau, dass nur dann ein CSU-Kandidat aufgestellt wird, wenn die CDU aktiv darum bittet. Aber er weiß auch, dass der neue CDU-Chef – wie auch immer er heißen mag – an den beiden Wahlen gemessen wird. Gehen sie in die Hose, wäre das Söders Chance.

Mike.Schier@ovb.net

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