Zum Jahreswechsel Der Untergang muss warten GEORG ANASTASIADIS

Zum Jahreswechsel. Der Untergang muss warten .

GEORG ANASTASIADIS

Wer hat an der Uhr gedreht? Heute gehen die Zehner-Jahre zu Ende, kaum dass sie richtig begonnen haben. Wie im Flug verging die Zeit zwischen Euro-Krise, Flüchtlings-Krise, Brexit-Krise, Trump-Krise, Diesel-Krise, Bienen-Krise, Klima-Krise und der Herbstmeisterschafts-Krise des FC Bayern. So bedient sind viele Bundesbürger, dass sie sich zum Jahresausklang diesmal sogar das Böllern verkneifen, und, auf Anraten von Doktor Habeck, auch das saftige Stück Fleisch für den Silvester-Braten. Aber, auch das gehört ja irgendwie zur Wahrheit: Kaum jemand in der Welt hat all diese Krisen so gründlich durchlebt wie wir Deutsche. Immer mittendrin statt nur dabei: Der Tsunami hatte noch kaum Fukushima erreicht, da verkündete die Kanzlerin schon den Atomausstieg. Manche unter uns warten noch immer auf den Dritten Weltkrieg, den ja Donald Trump ganz unweigerlich auslösen würde. Und dann ist da noch die nahende Klima-Apokalypse, die uns Greta, die Prophetin, vorhergesagt hat.

Die Nachfahren von Carl Benz und Goethe können vieles: die besten Autos bauen, der Welt die schönsten Moralpredigten halten – und am blühendsten schwarzmalen. Wir haben ja auch ganz viel Zeit dazu. Denn hinter der Bundesrepublik liegt ein Jahrzehnt der Prosperität und Vollbeschäftigung. Rein materiell gesehen ging es den meisten von uns gut. Und das konnte nicht mal die GroKo ändern, die ihre Regierungstätigkeit vor zwei Jahren eingestellt hat. Vielleicht wird der eine oder andere sich eines Tages noch wehmütig zurückerinnern. Dann, wenn aus den Zehnerjahren die guten alten Zeiten geworden sind. Und die jungen Leute zu ihrer großen Überraschung erfahren haben, dass in Deutschland auch ein Mann Kanzler werden darf – rein theoretisch zumindest.

An diesem Mittwoch beginnt nicht nur ein neues Jahr. Wir starten in ein neues Jahrzehnt. Da sind gute Vorsätze doppelt wichtig: Wir sollten uns vornehmen, nicht mehr zu dramatisieren als nötig. Bei all dem globalen Durcheinander das Glück im Privaten zu genießen. Unsere Umwelt so gut es geht zu schonen, aber uns nicht einreden zu lassen, dass Deutschland allein die Welt retten müsse. Die Zwanziger-Jahre dürfen kommen. Der Untergang muss warten.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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