100 Jahre Salzburger Festspiele Darf’s noch ein bisserl mehr sein?

100 Jahre Salzburger Festspiele. Darf’s noch ein bisserl mehr sein?

MARKUS THIEL

Wo alljährlich Superlative zu Superpreisen im Angebot sein sollen, da fällt eine Steigerung logischerweise schwer. Doch ein wenig mehr hätt’s schon sein dürfen im kommenden Jahr, wenn die Salzburger Festspiele ihren 100. Geburtstag feiern, vor allem im Musiktheater: Wer die spektakuläre, wegweisende Opernproduktion erwartet, sieht sich einer Art Festival-Alltagsgeschäft gegenüber. Vier Premieren plus Aufgewärmtes, nun ja.

Nicht einmal ein neuer „Jedermann“ war drin, obwohl es sich hier nicht nur ums Gründungswerk der Festspiele handelt, sondern um das noch immer mit Abstand populärste Stück. Zur Ehrenrettung der Schauspielsparte muss allerdings konstatiert werden: Zumindest von der Papierform her ist man mutiger als die große Opernschwester.

Auffallend ist: Die Festspiele kümmern sich mehr ums Rahmenprogramm und wollen diejenigen erreichen, die nicht bis zu 445 Euro pro Karte berappen können. Erstaunlich groß ist das Angebot für die Jugend ausgefallen – bis hin zu mehrtägigen „Camps“. Was bedeutet, dass die Häuser auch dort nicht mehr automatisch voll werden. Ein Umbruch kündigt sich an, weg vom selbstgewissen, selbstgefälligen Super-Event, hin zu einer Institution, die ums Publikum offensiver buhlt. Ein Festspiel scheint sich neu zu definieren und hinterfragen zu wollen – auch für einen Hundertjährigen kommt das nicht zu spät.

Markus.Thiel@ovb.net

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