Italien: Krise der „Fünf Sterne“ Entzauberung der Populisten

Italien: Krise der „Fünf Sterne“. Entzauberung der Populisten .

MIKE SCHIER

Die italienische Fünf-Sterne-Bewegung war von Anfang an ein sehr seltsames Konstrukt. Gegründet von einem Komiker sammelten sich in der Linkspartei rasch all jene, die von den Berlusconis der italienischen Politik die Nase voll hatten. Es ging gegen das Establishment, die EU, das System. Doch die Sterne begannen in dem Moment zu sinken, als sie in Regierungsverantwortung kamen. Plötzlich konnten sie nicht mehr nur mosern, sondern mussten aktiv gestalten. Und siehe da: Das ist weit komplexer, als Wutbürger manchmal meinen.

Erstaunlich ist eigentlich, wie wenig Spuren die „Fünf Sterne“ in der italienischen Politik hinterlassen haben – erst im Populisten-Bündnis mit dem Rechten Matteo Salvini und jetzt mit den gemäßigt linken Sozialdemokraten. Der angedrohte Bruch mit der EU blieb aus, in Italien zahlt man weiter mit Euro, die Wirtschaft schwächelt wie eh und je. Auch das traditionell hohe Staatsdefizit ist nicht wesentlich dramatischer als zuvor schon.

Die Erwartungen der Wähler haben die „Fünf Sterne“ jedenfalls enttäuscht. Der Frust, der sie nach oben spülte, richtet sich nun gegen sie. Auch der Rücktritt von Parteichef Luigi Di Maio dürfte nicht verhindern, dass die Bewegung am Sonntag bei den Regionalwahlen in der Emilia-Romagna um Bologna ein Debakel erleidet. Diese Wahl könnte das Ende des instabilen linken Bündnisses in Rom einleiten – und die Rechten zurück an die Macht spülen: Nach dieser greift Salvini, der den Urnengang zu einer Art Referendum über seine Politik erklärt hat. Womöglich entscheidet also eine kleine Regionalwahl, ob Italien genug hat von populistischen Maulhelden.

Mike.Schier@ovb.net

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