Meinung

Machtkampf im Iran: Die Schnellstraße zur Atombombe

ALEXANDER WEBER
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ALEXANDER WEBER

Im Iran eskaliert der Machtkampf zwischen Hardlinern und Reformern. Streitobjekt: das neue Atomgesetz, das vom Parlament verabschiedet wurde, von Präsident Ruhani  aber ignoriert wird.

Träte es in Kraft, verschwände das von den USA aufgekündigte Wiener Atomabkommen endgültig im Gully der Geschichte. Denn es würde dem Iran nicht nur die Produktion von waffenfähigem Uran sowie schnellere Zentrifugen erlauben, sondern auch internationalen Kontrolleuren den Zugang zu Atomanlagen erschweren. Es wäre quasi die Schnellstraße zur iranischen Atombombe. Noch hat die oberste Instanz, Ajatollah Chamenei, kein Machtwort gesprochen, wem er grünes Licht gibt – Falken oder Reformern.

Der bevorstehende Regierungswechsel in den USA gibt den etwas Gemäßigteren in Teheran um Ruhani zumindest wieder Luft unter die Flügel. Das alte Kalkül, durch Atomverzicht wirtschaftliche Verbesserungen insbesondere für die Lebensbedingungen der Menschen zu erkaufen, ist wegen Trumps Rückzug aus dem Deal und dessen Sanktionsregime gegen alle westlichen Unternehmen, die mit dem Iran handeln wollen, nicht aufgegangen. Der Mord am iranischen Atomphysiker Fachrisadeh hat ein Übriges dazu getan, die Hardliner in die Offensive zu bringen. Im nächsten Jahr wird im Iran gewählt. Bis dahin hat der Westen die letzte Chance, Persien nicht vollständig den schiitischen Fanatikern zu überlassen.

Alexander.Weber@ovb.net

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