Intransparenz entlastet nicht!

Seehofer lehnt Polizeistudie ab. MARCUS MÄCKLER.

Einbrüche sind verboten, deshalb gibt es ja auch keine. Kommt Ihnen seltsam vor? Erzählen Sie das bitte mal Innenminister Horst Seehofer. Der lehnt eine Studie zum „Racial Profiling“ bei der Polizei nämlich mit der Begründung ab, Beamten sei es eh untersagt, Menschen nur wegen ihrer Hautfarbe (oder anderer äußerer Merkmale) zu kontrollieren. Augen zu, Ohren zu, Problem gelöst.

Nach seiner Drohung, eine „taz“-Autorin wegen ihrer – durchaus Magenkrämpfe auslösenden – Anti-Polizei-Kolumne anzuzeigen, ist es die zweite Fehlleistung des Ministers binnen weniger Tage. Tragischerweise tut er der Polizei, die er wohl schützen will, damit nicht mal einen Gefallen. Der Vorwurf, es werde allzu oft nach Hautfarbe kontrolliert, steht nun mal im Raum und Entlastung schafft man nicht durch Intransparenz. Eine nüchtern durchgeführte Studie böte die Chance, Missstände dort, wo sie bestehen, zu benennen und zu bekämpfen. Sie würde Klarheit schaffen und das Raunen von beiden Seiten beenden. So aber verfährt Seehofer nach der Devise: Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Das wirft ein fahles Licht auf ihn und die Polizei. Denn es bleibt der Eindruck, dass man über Fehlentwicklungen lieber nicht so genau Bescheid wissen will. Wollte Seehofer das in Teilen gestörte Verhältnis zwischen Polizei und Gesellschaft heilen, wäre eine Studie ein guter Schritt – selbst wenn die Ergebnisse unbequem sein könnten.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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