Infektionsketten von Ischgl Wie Tirol aufs Vergessen hofft

Infektionsketten von Ischgl. Wie Tirol aufs Vergessen hofft .

CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

Europa lebt von offenen Grenzen. Die Kontrollen, Staus und Abweisungen, gerade zu unseren Freunden in Österreich, sind eine traurige Realität von hoffentlich kurzer Dauer. Eines aber ist schwer verstörend beim Ruf nach schneller Grenzöffnung: Österreich versucht damit, das dramatische Fehlverhalten in Tirol zu übertünchen.

Rund um den Ski-Party-Ort Ischgl steckten sich tausende Touristen an. Sowas passierte vielerorts, auch auf bayerischen Bierfesten. Doch statt die Gesundheit der Gäste zu schützen, versuchte der örtliche Filz aus Politik und Tourismusfunktionären, die Schließung der Betriebe hinauszuzögern – wissentlich, trotz dramatischer Warnungen aus anderen Ländern. Als das Ende der Wintersaison unvermeidlich war, stellte man die Orte unter Quarantäne, schickte aber schnell noch die Touristen mitsamt Virus in ihre Heimat zurück. 25 tote Skifahrer und der Start langer Infektionsketten sind die Gier-Bilanz von Ischgl.

Tirols schwarz-grüne Landesregierung erdreistet sich zu sagen, man habe doch alles prima gemacht. Österreichs Kanzler Kurz lenkt ab mit dem Sätzchen, er beklage sich ja auch nicht über Italiener, die das Virus eingeschleppt hätten. Das geht an der Sache vorbei – dem tödlichen politischen Fehlverhalten vor Ort. 99 Prozent der Betriebe haben keinen Generalverdacht verdient, umso wichtiger sind klare Konsequenzen in Tirol. Denn: Schnell die Grenzen aufmachen und hoffen, der doofe Touri wird’s vergessen – so darf es auch nicht laufen.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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