Kommentar

Boris Johnson in der Krise: Im Schwitzkasten der Realität

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 ALEXANDER WEBER

Für Schadenfreude besteht wirklich kein Anlass. Aber es ist ein langer Lernprozess, der Boris Johnson von der Notwendigkeit überzeugt hat, auch England wieder in den Teil-Lockdown zu schicken, um den steilen Anstieg der Corona-Infektionen zu brechen.

Wie überall in den Ländern Europas stoßen die Beschränkungen nicht nur auf Zustimmung – auch in seiner eigenen Tory-Partei nicht.

Von dem strahlenden Blondschopf, der vor einem Jahr einen triumphalen Wahlsieg für die Konservativen einfuhr, ist nicht mehr viel übrig. In Umfragen liegt die Labour-Partei, die gerade ihren Ex-Parteichef Corbyn mit einem Fußtritt hinausgeworfen hat, sogar schon vor den Torys.

Zwang der Realität der Vernunft

Neben der Pandemie sorgen sich viele Briten auch um ihre wirtschaftliche Zukunft, wenn die Übergangsphase in EU-Binnenmarkt und Zollunion am 31. Dezember endet. Zuletzt haben vor allem die britischen Bauern die Alarmglocken geläutet angesichts der Aussicht, bald nicht mehr oder nur stark verteuert, auf den Europäischen Markt exportieren zu können und gleichzeitig zuhause mit Dumping-Produkten aus anderen Ländern konkurrieren zu müssen. Noch ist es Spekulation, aber die kolportierten Fortschritte bei den Vertrags-Verhandlungen zwischen Brüssel und London lassen hoffen, dass der Zwang der Realität der Vernunft doch noch zum Sieg verhelfen könnte. Ein kleiner Lichtblick in diesen düsteren Zeiten.

Alexander.Weber@ovb.net

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