Hoffnungsschimmer in Warschau

Stichwahl in Polen. ALEXANDER WEBER.

Noch ist Polen nicht verloren, heißt es in der Nationalhymne unseres östlichen Nachbarlandes. Und mit dem Achtungserfolg des liberalen Herausforderers von Präsident Andrzej Duda, Rafal Trzaskowski, gilt dies zumindest aus europäischer Sicht. Die 30,3 Prozent, mit denen der Bürgermeister von Warschau es geschafft hat, in die Stichwahl um das Amt des Präsidenten einzuziehen, sind ein Hoffnungsschimmer. Ein Signal, dass Polen aus der europäischen Bremserrolle, in die der starke Mann in Warschau, PiS-Chef Kaczynski, das Land geführt hat, herausfinden und wieder zu einem starken Partner in Brüssel werden könnte.

Klar, der Vorsprung Dudas nach dem ersten Wahlgang mit rund 45 Prozent der Stimmen scheint groß. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass er die (erz-)konservative Wählerklientel bereits voll ausgeschöpft hat und kaum noch Stimmen aus liberaleren, linkeren Gruppierungen in der zweiten Runde für sich wird gewinnen können, ist es auch. Der weltoffene, Europa-erfahrene Trzaskowski dagegen hat durchaus Chancen, noch viele jener Polen hinter sich zu versammeln, die weder die permanente Aushöhlung des Rechtsstaats durch Kaczynski länger dulden noch ihre Zukunft in nationalistischen Bünden mit anderen Autokraten gegen Brüssel sehen wollen.

Alexander.Weber@ovb.net

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