Die Hoffnung schwindet

Brexit-Übergang nicht verlängert. ALEXANDER WEBER.

Die Option einer Verlängerung der Brexit-Übergangsphase über den 31. Dezember hinaus ist nach dem Treffen der Unterhändler Londons und Brüssels am Freitag vom Tisch. Das kann nur jene erstaunen, die noch immer gehofft hatten, Boris Johnson werde letztlich doch noch klein beigeben, um zu einer Einigung mit der EU über faire Wirtschaftsbeziehungen zu kommen.

Klar: Rationale Gründe für eine längere Verhandlungsphase gäbe es ja zuhauf. Das britische Statistikamt gab infolge der Corona-Pandemie den größten Wirtschaftseinbruch im Vereinigten Königreich seit Beginn der Aufzeichnungen bekannt: Um mehr als 20 Prozent stürzte das Bruttoinlandsprodukt von März bis April ab. Zudem ist Großbritannien mit über 40 000 Toten das von Corona am schlimmsten getroffene Land Europas. Wer könnte es dem Premier ernsthaft verdenken, wenn er in dieser dramatischen Lage versuchen würde, weitere Belastungen für Unternehmen auf der Insel durch Zölle und andere Handelshemmnisse ab 1. Januar zu verhindern?

Doch so tickt Johnson nicht. Seine Prioritäten-Liste ist eindeutig: An alleroberster Stelle steht die vollkommene Loslösung Britanniens von der verhassten EU. Koste es, was es wolle. Ob in den wenigen verbleibenden Monaten noch eine pragmatische Lösung im Sinne beider Seiten gefunden werden kann, erscheint fraglicher denn je.

Alexander.Weber@ovb.net

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