Meinung

Der Brexit und die Corona-Pandemie: Hoffentlich ein später Weckruf

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  • Mike Schier
    vonMike Schier
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Ganz zum Schluss hält dieses seltsame Jahr 2020 für Europa noch einmal eine ironische Pointe bereit: Ausgerechnet zum Ende der gefühlt ewig währenden Brexit-Verhandlungen ist es die Europäische Union, die sich von den Briten abschotten muss.

Die ohnehin schon langen Lkw-Schlangen an der Kanalküste enden nun an einem geschlossenen Tunnel, tausende Menschen sind ihrer Reisepläne zu Weihnachten beraubt. Die seit Jahren prognostizierten Horrorszenarien eines harten Brexits werden jetzt durch das mutierte Virus vorzeitig Realität.

Corona führt den Europäern diesseits wie jenseits des Ärmelkanals ihre Schwachstellen schonungslos vor Augen. Die Briten lernen, dass in einer globalisierten Welt politische Alleingänge allenfalls kurzzeitige Erfolge versprechen. Letztlich führt an internationaler Kooperation kein Weg vorbei – vom Handel bis zum Terrorismus gibt es einfach zu viele Bereiche, die sich nicht um Landesgrenzen scheren.

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Die EU-Staaten wiederum lernen durch die verspätete Zulassung des Corona-Impfstoffs, dass gemeinsames Vorgehen nicht heißen sollte, gemeinsam ins Hintertreffen zu geraten. Wenn die heiße Phase vorbei ist, sollte man in Brüssel die bürokratischen Abläufe noch einmal grundsätzlich unter die Lupe nehmen.

Vielleicht dient die unglückselige Eskalation der letzten Tage den Verhandlern ja als finaler Weckruf, sich doch noch zu einigen. Im Angesicht der gefährlichen Pandemie und ihrer brutalen wirtschaftlichen Folgen wirkt der Streit um Fischfangrechte geradezu lächerlich.

Mike.Schier@ovb.net

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