Höcke und die AfD Luft nach rechts MARCUS MÄCKLER

Höcke und die AfD. Luft nach rechts .

MARCUS MÄCKLER

Am Wahlabend zog Björn Höcke den Schafspelz über. Die AfD sei bereit zu regieren, sagte er in diversen Interviews und gab sich, für seine Verhältnisse, jovial. Selbstredend ist das Fassade. Höcke will nicht mitregieren, sondern umwälzen, er will nicht gestalten, sondern das „alte und morsche“ System zerstören. Trotzdem – oder deswegen? – hat knapp ein Viertel der Thüringer die AfD gewählt. Das beunruhigend zu nennen, wäre untertrieben.

Auch manch Gemäßigter in der AfD wird das so sehen. Denn aus den Erfolgen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen leiten sich Ansprüche ab, die die Ost-AfD bald wird einlösen wollen. Beim Parteitag im November stehen Vorstandswahlen an, die besonders rechten, von Höckes völkischem „Flügel“ dominierten Ost-Verbände, werden mehr Einfluss fordern, zumal die Partei im Westen schwächelt. Dass Höcke selbst für den Vorsitz kandidiert, ist unwahrscheinlich. Aber die Hoffnung der Konservativen, sein Einfluss könnte schwinden, ist zerschlagen. Höcke wird bei der Ausrichtung der Partei mitreden.

Zu befürchten ist, dass die AfD insgesamt (noch) radikaler wird. Wie als Beleg dafür hat der Chef selbst den Standort der AfD neu definiert. Alexander Gauland sagte, Höcke sei nicht etwa der rechte Rand, sondern die „Mitte der Partei“. Dort, in der Mitte, steht also ein Mann, den man mit richterlichem Segen einen „Faschisten“ nennen darf. Offenbar ist noch Luft nach rechts.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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