Hier scheitert ein richtiges Konzept

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Testzentren an der Grenze. CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER.

Bayern gibt die Corona-Tests an Autobahnen und Bahnhöfen kleinlaut auf. Das ist keine gute Nachricht. Die Teststationen waren niemals falsch, sondern eine goldrichtige Idee, die leider zu eilig mit Pannen umgesetzt wurde. Überforderte Betreiber vertrödelten zehntausende Tests. Für Behörden in Berlin oder Bremen mag so was ein passabler Schnitt sein, für Bayerns Perfektionismus-Anspruch und seinen gern verbalwuchtigen Ministerpräsidenten war’s bundesweit ein tiefer Kratzer.

In der Sache hatte Söder leider seit vielen Wochen Recht. Die zigtausenden positiv getesteten Rückreisenden haben gezeigt, wie berechtigt die Sorgen vor den Sommerferien waren. Zwei völlig unterschiedliche Infektionsstränge wurden an den Autobahnen entdeckt: die unbesorgten Partytouristen, aber auch die Familienheimfahrer vor allem vom Balkan. Die sehr niederschwelligen Tests an der Raststätte haben da gewirkt, sie waren den Aufwand wert. Aber wer glaubt ernsthaft, diese Reisenden werden symptomlos daheim ihr Landratsamt anrufen, in welche Schlange des kommunalen Testzentrums sie sich nun bitte-bitte einreihen dürfen?

Söder delegiert so das Pannen-Risiko auf die kommunale Ebene. Ob die Zentren da besser organisiert werden, wird von Ort zu Ort unterschiedlich sein. Es gibt nur eine kurze Verschnaufpause vor der Grippesaison, der kälteren Jahreszeit und den Herbst- und Winterferien, Ischgl und Co buhlen ja schon wieder um unbedarfte Skifahrer. Bayerns Corona-Strategie, in Wirtschaft und Freizeit stärker auf Eigenverantwortung zu setzen und reversibel immer mehr zu öffnen, ist momentan richtig, braucht aber begleitend viele schnelle und unkomplizierte Tests.

Christian.Deutschlaender@ovb.net

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