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Bayerns Impf-Offensive: Hausärzte als Hoffnungsträger

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Nach der Ruhetags-Eierei vor Ostern besinnen sich unsere Politiker bei ihrem wankelmütigen Krisenmanagement wieder auf eine der wenigen unstrittigen Erkenntnisse: „Impfen ist die einzige wirkliche Lösung gegen Corona“, hat Ministerpräsident Söder richtig erkannt.

Deshalb will er jetzt den „Impfturbo“ zünden – mit den Hausärzten als „Impfprofis“ im Cockpit. Eine alternativlose Strategie bei der Aufholjagd nach dem verpatzten Impfstart. Aber dabei unterschlägt Söder, dass diese Kurskorrektur reichlich spät kommt, hoffentlich nicht zu spät mit Blick auf unkalkulierbare Virusmutationen.

Monatelang setzten die Video-Virusbekämpfer in Bund und Land vor allem auf die Errichtung von Impfzentren und behandelten die Hausärzte, die immer wieder ihr Knowhow angeboten haben, eher wie Reservisten. Jetzt sollen sie an der Corona-Front plötzlich die Wende bringen – und auch dieses alternativlose politische Manöver wäre beinahe schon wieder schiefgegangen.

Denn die Idee, zunächst nur auserwählte Praxen impfen zu lassen, erweist der Impfkampagne und dem Zusammenhalt in der Bevölkerung einen Bärendienst. „Die Entscheidung, ob man geimpft wird, darf doch nicht davon abhängig sein, welchen Hausarzt man hat“, analysiert der Mediziner Karlheinz Zeilberger. Wie viele Kollegen darf er erst eine Woche später impfen als die Pilotpraxen.

Mit jedem weiteren Tag wäre der Vorwurf einer Zwei-Klassen-Medizin lauter geworden. Dass bald alle Hausärzte impfen dürfen und dabei immerhin einen kleinen Ermessensspielraum bei der Priorisierung nutzen können, ist die beste Nachricht in dieser vorerst schwierigsten Phase der Pandemie. Denn die allermeisten Hausärzte haben – anders als viele Politiker – nicht die Bürokratie im Blick, sondern die Menschen.

Redaktion@ovb.net

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