Ein Haken an die erste Prüfung

Anpfiff der Bundesliga. HANNA RAIF.

Die Ton-Option „Stadionatmosphäre“ war eine gute Idee. Denn immerhin hatten sechs Millionen Zuschauer am Samstag ab 15.30 Uhr so die Möglichkeit, die Geister-Stimmung in ihrem TV mit Fan-Gesängen zu übertönen. Dass bei der Partie Frankfurt – Gladbach aus dem Fernseher das von Freiburger Fans gesungene „Steht auf, wenn ihr Badener seid!“ hallte, war nicht ganz passend. Ansonsten aber ist an diesem ersten Spieltag der „neuen“ Bundesliga ziemlich viel ziemlich richtig gelaufen.

Eine Rekordquote ist es für „Sky“ geworden, aber das war auch zu erwarten. Die ganze Welt, so hieß es ja im Vorfeld des Wiederanpfiffs, blickt auf Deutschland. Und der Marktanteil von 45,6 Prozent in der Bundesrepublik spricht für sich. Vor dem Fernseher versammelten sich ganze Familien mit verschiedensten Interessen. Sie erlebten Spannung, sie sahen Tore, sie fieberten mit. Aber sie überlegten auch bei jedem Spucken auf den Rasen und dem einen oder anderen Jubel: War das erlaubt?

Die Bundesliga wird ab sofort – und mindestens bis zum Ende dieser Saison – mit zweierlei Maß gemessen. Seit Samstag weiß man immerhin, dass Spiele ohne Fans zwar anders sind, aber trotzdem kurzweilig sein können. Gute Unterhaltung wurde geliefert; gekämpft, obwohl die lange zur Pause gezwungenen Beine müde wurden; gefeiert, obwohl die Kurven leer waren. Die Spieler, auch das war zu sehen, haben Lust auf dieses Experiment. Und die Anhänger bekommen das, was ihnen so lange gefehlt hat: Nervenkitzel und Emotionen.

Die Liga kann an ihre erste Geister-Prüfung einen Haken machen. Es bleiben acht, auf die man sich freut. Aber auch acht, an denen das Experiment noch scheitern kann. Das sollte man in all der Euphorie nicht vergessen.

Hanna.Raif@ovb.net

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