Gruppenvergewaltigung in Ulm Falsch verstanden?

Gruppenvergewaltigung in Ulm. Falsch verstanden? GEORG ANASTASIADIS.

Nach der Gruppenvergewaltigung einer 14-Jährigen durch fünf teils minderjährige Asylbewerber in Ulm hat der dortige CDU-Oberbürgermeister eine richtige Frage gestellt – nur leider zur falschen Zeit. Er frage sich, was ein 14-jähriges Mädchen nachts in Ulm wolle, sagte das über das Verbrechen schockierte Stadtoberhaupt kurz nach Bekanntwerden der Tat. Dafür muss er sich jetzt zu Recht die empörte Gegenfrage gefallen lassen, warum in seiner Stadt junge Leute nachts offenbar nicht so sicher sind, wie sie es eigentlich sein sollten.

Klar sollten Eltern gut auf ihre Kinder aufpassen. Doch ist der nun entstandene Eindruck fatal, dass da ein Politiker versucht, dem Opfer auch noch eine Mitschuld unterzuschieben. Der OB fühlt sich falsch verstanden. Auf Schonung darf er dennoch nicht hoffen. Mit der großen Migrationswelle der Jahre 2015 und 2016 ist auch ein von Verachtung und Geringschätzung geprägtes Frauenbild nach Deutschland eingewandert. Die Öffentlichkeit reagiert nach dem Bekanntwerden mehrerer Sexualstraftaten mit Beteiligung von Flüchtlingen – in Freiburg wird gerade eine besonders abstoßende Tat verhandelt – zu Recht sensibel auf jeden neuen Fall. „Wir schaffen das“, hat die Kanzlerin den Bürgern versprochen. Dieses Versprechen müssen Politik und Behörden nun einlösen. Da ist es nicht hilfreich, wenn ein Regierender, ob willentlich oder nicht, den Leuten zuruft, sie sollten doch gefälligst selbst besser aufpassen. So viel Gespür und sprachliche Ausdrucksfähigkeit sollte man von einem Oberbürgermeister erwarten dürfen.

Georg.Anastasiadis@ovb.net

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