Grünes Spitzenduo Baerbock und die K-Frage MARCUS MÄCKLER

Grünes Spitzenduo. Baerbock und die K-Frage .

MARCUS MÄCKLER

Manchmal sind es die Feinheiten, die den Blick öffnen. Wer sagt, das Grüne Spitzenduo Baerbock/Habeck sei mit starken Ergebnissen wiedergewählt worden, hat nicht unrecht, unterschlägt aber, dass Baerbock die Herzen der Parteibasis ein bisschen mehr erwärmt als ihr Co-Vorsitzender. 97 zu 90 Prozent – das ist kein Zufall. Offenbar traut die Partei der 38-Jährigen mehr zu als Habeck.

Das überrascht nur diejenigen, die sich von Oberflächlichkeiten täuschen lassen. Sicher, als Mann mit Regierungserfahrung gilt er als Favorit. Aber selbst seine Talkshow-Erfahrung schützt ihn vor unrühmlichen Patzern nicht – zuletzt die Wissenslücke bei der Pendlerpauschale. Baerbock, die als Strategin des Duos gilt, wäre das nicht so leicht passiert. Darin, dass sich beide sozusagen kompetenzmäßig nicht ins Gehege kommen, liegt das Geheimnis ihres guten Zusammenspiels: Sie macht die Inhalte, er verkauft sie. Bei den bayerischen Kollegen Schulze/Hartmann ist es übrigens genau andersherum.

An der Grünen-Spitze mag das funktionieren, doch wenn es um die unvermeidliche K-Frage geht, werden Baerbock und Habeck auf ihre jeweiligen Fähigkeiten zurückgeworfen. Dass seine Nachdenklichkeit sich hier und da als Nachlässigkeit entpuppt, könnte am Ende den entscheidenden Ausschlag geben. Die 97 Prozent deuten jedenfalls darauf hin, dass in Sachen Kanzlerkandidatur das allerletzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Marcus.Maeckler@ovb.net

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